Geschichte

Wir schreiben das Jahr 1882. Fransisca Fincent war dreimal verheiratet, zweimal verwitwet und Mutter von 10 Kindern. Mit ihrem ersten Mann, François de Fonseca, einem Adligen aus Spanien, hatte sie fünf Kinder und mit ihrem zweiten Mann, Felix Vandepitte, einem Müller aus Aalter, hatte sie zwei Kinder. Schließlich heiratete sie Louis De Vos, mit dem sie noch drei weitere Kinder bekam. Vater De Vos war Müller und neben der Mühle hatte Fransisca ihre Herberge. Diese diente als Warteraum für die Bauern, die hier ihr Getreide zum Mahlen brachten. Die Bauern bezahlten den Müller mit zwei Schaufeln voll Mehl aus jedem Sack, der gemahlen wurde. Dieses Mehl wurde zum Backen von Brot benutzt. So konnte man in der Herberge Brot mit geräuchertem Schinken, Quark oder Bauernomelette essen.

Fransisca wurde von ihren Kindern „Mutter Siska“ genannt, und schon bald sprach jeder sie so an. Als sie einmal eine Fahrt nach Amsterdam unternahm, sah Mutter Siska ein Gemälde eines Waffeleisens mit vier Herzen. Als sie wieder zu Hause war, ließ sie von ihrem Schwager, der Schmied in De Pinte war, ein Waffeleisen mit fünf Herzen schmieden. Somit hatte sie für jedes ihrer Kinder ein Herz, wenn sie zwei Waffeln buk, und fortan wurden bei jedem Geburtstag Waffeln gebacken.

In der Herberge von Mutter Siska wurden Verkäufe von Notaren organisiert. Als ein Notar aus Antwerpen die Waffeln der Kinder von Mutter Siska probierte, bat er sie, für seine Tochter auch ein solches Waffelfestessen auszurichten. Das Fest wurde ein großer Erfolg und der Waffelverkauf auf Anfrage war geboren.

Die Herberge von Mutter Siska wurde zum Treffpunkt für die Touristen, die aus Heist kamen. Es wurde ein Transportdienst mit Pferd und Karren eingeführt, um die Leute zur Herberge zu bringen. Zehn Jahre später, im Jahre 1892, konnte man die Spezialität auch ohne vorherige Bestellung kosten. Aufgrund des stets größer werdenden Zulaufs musste die Herberge erweitert werden. Im Garten wurden Bocktische aufgestellt, und Mutter Siska kaufte die Klappstühle eines aufgelösten Zirkus. Diese Stühle wurden bis 1987 benutzt und sind noch immer in unserem Besitz. Die Söhne von Mutter Siska buken die Waffeln auf einem Holzfeuer und verrichteten die schweren Arbeiten, während die Töchter in der Herberge bedienten. Im Winter gingen die Kinder nach Wallonien, um dort zu arbeiten und ihr Französisch zu verbessern. So konnten sie das hauptsächlich französischsprachige Publikum besser bedienen.

Mutter Siskas Waffelhaus war so erfolgreich, dass zwei ihrer Söhne und drei ihrer Töchter 1907 ein zweites Waffelhaus „Bij de kinderen Siska“ („Bei den Kindern von Siska“) am Oosthoekplein eröffneten. Ihre jüngste Tochter Marie wollte ihrem Vorbild ebenfalls folgen, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Mutter Siska starb 1918 an der Spanischen Grippe und durfte die Eröffnung des dritten Waffelhauses nicht mehr miterleben.

Marie hatte bei ihrer Mutter und ihren Schwestern Erfahrung gesammelt und war fest entschlossen, die dritte Siska-Filiale zum schönsten, größten und am besten gelegenen Waffelhaus zu machen. So eröffnete sie 1919 das Waffelhaus „Bij de dochter Siska“ („Bei der Tochter von Siska“), das ein Jahr später in „Marie Siska“ umbenannt wurde.

Ihr jüngster Bruder folgte ihrem Vorbild und eröffnete 1923 „Gustave Siska“. Die Enkelin von Mutter Siska eröffnete 1936 die fünfte Siska-Filiale in Sint-Idesbald bei Koksijde. Dieses Waffelhaus trug den Namen „Siska du Zoute“, der auf die berühmten Lokale in Het Zoute verweist.

Die Siska-Filialen wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg stetig erweitert und trugen so zur touristischen Entwicklung von Het Zoute bei. Im Gegensatz zu ihrer Mutter waren nur ein paar von Mutter Siskas Kindern verheiratet. So hatte Marie Siska eine Tochter und einen Sohn. Ihr Sohn Urbain Dossche übernahm Marie Siska 1949 gemeinsam mit seiner Frau Georgette. Seine Schwester Germaine Dossche übernahm ‚Kinders Siska’ von den Tanten.

Urbain und seine Frau begannen mit dem Ausbau von Marie Siska. So kam ein Minigolfclub hinzu und wurde die Speisekarte erweitert und auf Restaurantniveau gebracht. Marie Siska wurde bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Unter den Stars, die im Kasino auftraten, wurde ein Besuch bei Marie Siska und seinen berühmten Waffeln zum Ritual. Paul Anka, Josephine Baker, Martine Carol, Ava Gardner, Gilbert Bécaud, Etchika Choureau und The Platters waren hier zu Gast. Marie Siska hatte auch die Ehre, König Leopold III. und Königin Astrid empfangen zu dürfen. Sie hatten einen Landsitz in Het Zwin und nach dem Krieg kam der König regelmäßig nach einer Partie Golf mit seinen Freunden zum Waffelessen hierher. Er wurde in einem gesonderten Raum bedient und der Tisch, an dem er saß, wurde vom Personal „Königstafel“ genannt. Noch heute können Sie sich bei Marie Siska an diesen Tisch setzen.

1967 wurde Marie Siska bis auf die Waffelbäckerei komplett umgebaut. Es entstand ein Komplex mit 450 Sitzplätzen im Innenbereich und 550 Sitzplätzen im Außenbereich. 1987 wurde das Lokal dem Enkel Stefan Dossche und seiner Frau Nathalie übertragen. Die beiden investierten nochmals kräftig in das Lokal. Es kam ein Hotel mit sieben luxuriösen Zimmern hinzu. Der Spielplatz wurde vollständig erneuert und Marie Siska erlebte eine Metamorphose. Die neue Generation von Königskindern ist heute auch bei Marie Siska zu Gast und für viele ist Marie Siska eine Institution in Het Zoute geworden. In der Hauptsaison werden täglich über 1000 frisch gebackene Waffeln verkauft. Diese werden noch immer nach dem Geheimrezept von Mutter Siska gebacken. Daneben hat auch das Restaurant einen wichtigen Platz eingenommen. Der Minigolfclub organisiert mit Unterstützung der Modemarke River Woods jedes Jahr im August einen Wettbewerb für Kinder und ist daher auch der auserwählte Platz für einen schönen Nachmittag.

Das elterliche Haus „Moeder Siska“ wurde 1975 verkauft und abgerissen. Glücklicherweise blieb die Mühle erhalten und dient heute als Wohnhaus. Gustave Siska wurde zwei Jahre nach seiner Eröffnung wegen Krankheit des Besitzers verkauft. 2009 wurde das Lokal versteigert und machte einem Wohnhaus Platz. Das Siska-Restaurant in Sint-Idesbald wurde 1960 verkauft und wird noch immer betrieben. Zuletzt beschloss der Eigentümer von Kinders Siska 2011, sein Lokal an einen Immobilienmakler zu verkaufen.

So kommt es, dass Marie Siska das einzige Waffelhaus ist, das noch von der Familie betrieben wird und die Originalwaffeln verkauft.

Inzwischen feiern wir 130 Jahre Siska-Waffeln und ist mit Marie-Julie Dossche die fünfte Generation in den Betrieb eingestiegen. Wir hoffen, dass auch sie diese schmackhafte Tradition von Het Zoute fortführen wird.

 

Stefan, Nathalie & Marie-Julie Dossche